• squaresinger@lemmy.world
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    3 days ago

    Nö. Plastik-Rezyklat ist annähernd immer Fabriksabfall.

    Beim Spritzguss fallen z.B. Anschlüsse ans Spritzgestell, Randabschnitte und Formteile mit Maßabweichungen an.

    Das ist frisches Plastik, dass ein Mal durch das Spritzgussverfahren gegangen ist, und mit dem rein gar nichts ansonsten passiert ist. Das ist genauso sauber wie frisches Granulat.

    Der einzige Bereich, wo “echtes” Plastikrecycling, also Recycling nach der Nutzung durch einen echten Endkunden, in nennenswerten Mengen passiert, ist PET-Flaschen.

    Sämtliches andere benutzte Plastik kommt in das “Thermische Recycling”, aka Müllverbrennung.

    Wird nur Plastik verbrannt, dann kann man die Reste zur Asphaltherstellung verwenden. Das rennt dann unter Recycling.

    • Imke@feddit.org
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      3 days ago

      Dass PET o. Ä. aus dem gelben Sack nicht mehr zu Lebensmittelverpackungen recycelt werden (somdern nur Pfand-PET oder Ausschuss aus der Produktion) ist aus lebensmittelhygienischen Gründen so vorgeschrieben. Das heißt aber nicht, dass der größte Teil aus dem gelben Sack verbrannt wird. Die stoffliche Verwertung steht in der Abfallhierarchie über der thermischen Verwertung, deshalb darf nur verbrannt werden, was nicht stofflich verwertet werden kann. Hier ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz eindeutig. Derzeit werden ca. 70% aus dem gelben Sack stofflich verwertet (der Kunststoffbedarf ist leider so enorm, dass es derzeit keine Rolle spielt, ob aus Traubenverpackungs-PET keine Lebensmittelverpackung mehr werden darf, sondern nur z. B. eine Spüliflasche). Eine für das Recycling desigte Verpackung darf und wird also nicht verbrannt werden, auch wenn die Gerüchte, dass im gelben Sack eh alles verbrannt wird, schon seit der Einführung des grünen Punkts kursieren. Welche (Verbund-)Kunststoffverpackungsarten fast durchweg aus dem Stoffkreislauf herausfallen und größtenteils in die Verbrennung gehen, ist schon lange bekannt und dieses Problem wird durch die hier besprochene EU-Verordnung ab 2030 angegangen. Besser spät als nie wenn man mich fragt.

      • gandalf_der_13te@feddit.org
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        3 days ago

        Welche (Verbund-)Kunststoffverpackungsarten fast durchweg aus dem Stoffkreislauf herausfallen und größtenteils in die Verbrennung gehen, ist schon lange bekannt und dieses Problem wird durch die hier besprochene EU-Verordnung ab 2030 angegangen. Besser spät als nie wenn man mich fragt.

        ok also verstehe ich das richtig dass schwierig zu recycelnde (stoffliche verwertung) kunststoffe weniger erlaubt werden durch dieses neue gesetz?

        und darf ich noch fragen, wofür werden kunststoff-abfälle heute üblicherweise stofflich verwertet? also was sind da so typische anwendungsfälle? was wird daraus wieder hergestellt?

        • Imke@feddit.org
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          2 days ago

          Genau! Alle Verpackungen werden je nach Recyclingfähigkeit in 3 Kategorien eingeteilt und ab 2030 darf die schlechteste Kategorie nur in Ausnahmefällen noch benutzt werden. Welche Verpackung unter welche Kategorie fällt, wird aber erst 2028 festgelegt (möge die Einteilung streng werden). Wofür die verwendet werden, hängt von der Kunstoffart ab, aber z. B. Ungefärbtes und sortenreines PET (transparent) oder HDPE (milchig) lässt sich recht problemlos im Kreislauf führen (Ausnahme Lebensmittelverpackungen, die dürfen recycelt nur aus Pfandflaschen oder Produktionsausschüssen hergestellt werden.). Man sieht (oft am Boden des Produkts) eine Einstanzung mit dem Kunsstofftyp, falls es recycelt wurde, steht oft ein kleines r davor, z.B. rPET. Bei mir zuhause fällt mir für rPET da z.B. die Spüliflasche ins Auge, bei rHDPE die Shampooflasche. Auch viele Folien entstammen oft dem Recycling oder Euroboxen, Regentonnen (das sind so die Produkte, die mir im Haushalt auffallen). Sehr viel PET geht auch (leider) als Polyestergewebe in Kleidung. Letztendlich wird leider noch so viel frisches Kunststoffgranulat aus Erdöl hergestellt, dass recyceltes einfarbiges Granulat direkt als gleichweriger Wertstoff in irgendwelche Produkte geht, der Flaschenhals beim Recycling soweit ich weiß derzeit ist weniger die Verwendung des Recyklats (zumindest bei PET und HDPE) als die Sortenreine Sammlung/Trennung oft schlecht recycelbar designten Materials (zumindest in D mit hoher Sammelquote).

        • Imke@feddit.org
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          2 days ago

          Stimmt, die 70% werden beim Input gemessen. Wenn Kunststoff verbrannt wird und die Schlacke im Straßenbau verwendet wird, zählt das nach Kreislaufwirtschaftsgesetz dennoch als thermische Verwertung (auch wenn streng genommen hinterher ein Teil stofflich verwertet wird) und darf nur erfolgen, wenn die stoffliche Verwertung nicht möglich ist. Z. b. weil es sich um schlecht trenbbare Verbundskunststoffe handelt, die mit den neuen Vorgaben hoffentlich bald endlich nicht mehr standardmäßig als Verpackung eingesetzt werden. Das wurde so definiert, um genau diese Tricksereien zu verhindern. Es gibt auch Kunststoffflakes, die im Straßenbau verwendet werden können und als stoffliche Verwertung angesehen werden dürfen, die werden aber nicht verbrannt. Hast du eine Quelle dafür, dass Schlackenutzung im Straßenbau als stoffliche Verwertung gemäß Abfallhierarchie angesehen werden darf? Ich war in den letzten Jahren aus beruflichen Gründen bei den Novellen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes eigentlich immer weitestgehend auf dem Laufenden und würde mich wundern, wenn es derzeit dieses Schlupfloch noch gibt, diese Grauzone wurde eigentlich schon seit langer Zeit durch klare Definitionen geschlossen. Meines Wissens nach zumindest, man bekommt ja auch nicht immer alles mit. Ich will auch gar nicht die schlechte Verwertungsquote bei Kunststoffen schön reden, meine Aussage bezog sich nur darauf, dass es nicht stimmt, dass der Großteil aus dem Gelben Sack verbrannt wird (auch nicht wenn er verschmutzt ist), das rechtlich gar nicht erlaubt ist und ein wichtiger Aspekt, warum immer noch Unmengen verbrannt werden dürfen (oder müssen) durch die neuen Regeln ab 2030 eingedämmt werden soll. Was reycelbares Verpackungsdesign ausmachen kann an der stofflichen Verwertungsquote, kann man ja, wie du auch schreibst, am Pfandsystem von PET-Flaschen sehen, mit Quoten weit über 90%.

          • gandalf_der_13te@feddit.org
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            20 hours ago

            Was reycelbares Verpackungsdesign ausmachen kann an der stofflichen Verwertungsquote, kann man ja, wie du auch schreibst, am Pfandsystem von PET-Flaschen sehen, mit Quoten weit über 90%.

            sag mal, weißt du zufällig, wie damit umgegangen wird wenn z.b. schimmel in der PET flasche ist? weil bei mir werden oft fruchtsaft-flaschen recycelt, und die liegen gerne mal 3 tage herum bevor ich sie zurückbringe, und da wächst dann schon oft schimmel drin.

            • Imke@feddit.org
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              3 hours ago

              Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen (hatte vor ein paar Jahren mal was mit klassischen Müllverbrennungsanlagen zu tun und dort auch nur in einem sehr begrenzten technischen Teilbereich… Da die Restabfallzusammensetzung bei der Verbrennung und Abgasreinigung eine große Rolle spielt, ist alles auch ein bisschen verwoben. Wenn zum Beispiel irgendwas rechtliches mit Recycling geplant ist, werden die Verbrenner direkt ganz Ohr, da die ihre Anlagentechnik über Jahrzehnte auslegen, deshalb hab ich von vielem am Rande ein bisschen was mitbekommen, ohne groß was damit zu tun zu haben. Aber ist irgendwie auch so ganz spannend für mich, was man vielleicht an meinen langen Ausführungen merkt. Man hat halt auch so selten die Möglichkeit, über so ein Nischenthema seinen Senf dazu zu geben haha). würde ich vermuten, dass der bei der Vorreinigung nicht entfernte Schimmel spätestens in der Heißwäschestufe löst, in der die zerkleinerten Flakes in einem heißem Natronlauge-Tensidbad gespült werden. Bevor die eingeschmolzen werden, gibts aber nach der Wäsche trotzdem noch ne Aussortierung von Fremdstoffen oder verbliebenen verunreinigten Flakes mithilfe optischer Sensoren.