

Um dem Abkacken der Wirtschaft zu begegnen, bräuchte es ja gerade mehr günstiges Geld, damit wir Binnennachfrage ankurbeln und Investitionen in Energieunabhängigkeit tätigen könnten
Ich bin da grundsätzlich vollkommen bei dir: Angebotsschocks mit dem Nachfrageregler Leitzins zu begegnen, tut weh, weil gefühlt auf etwas eingedroschen wird, das eh schon am Boden liegt.
Nur wenn man stattdessen, wie du sagst, jetzt mehr günstiges Geld zur Verfügung stellt, steigt zwar einerseits die Nachfrage nach Geld, der Mangel durch den Angebotsschock ist aber trotzdem da. Damit gehen die Preise hoch und man gießt Benzin ins Inflationsfeuer, inkl. der Gefahr, dass diese sich jenseits des Angebotsschocks verselbstständigt.
Die EZB drosselt also ganz bewusst die Wirtschaft ab, damit letztendlich die Preise stabil bleiben.
Da müsste man halt sinnvolle Fiskalpolitik betreiben und die EZB_müsste_ die Staaten dazu enablen.
Das darf die EZB meiner Kenntnis nach gar nicht (Verbot der monetären Staatsfinanzierung), sie arbeitet unabhängig, damit die Politik sie nicht als ‘unendlichen Geldautomaten’ missbrauchen kann. Sie kümmert sich nur darum, durch ihre große Stellschraube das Preisniveau stabil zu halten, den Rest muss die Politik machen.
Hmm, da bin ich mir nicht so sicher. Fossile Energie wird primär in Dollar gehandelt. Wenn wir also Geld drucken, würde das zur Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar führen, wir zahlen also nicht nur mehr durch den Angebotsschock, sondern noch mehr, weil unsere Währung schwächer wird. Das Ergebnis wäre ‘Importierte Inflation’.
Ja, absolut! Aber das ist eine Aufgabe, die ich definitiv in den Händen demokratisch gewählter Politiker und nicht in den Händen ungewählter technokratischer Notenbanker sehen möchte. Das wären Parallelstrukturen, die die Demokratie untergraben würden. Wir haben ganz bewusst eine unpolitische Notenbank, die ausschließlich ihren scharf definierten Aufgabenzweck erfüllt und kein politisches “Ersatzprogramm” ist.
War dort nicht eher drohende Deflation das Thema? Dann ist eine expansive Geldpolitik durch das Mandat gedeckt.
Draghis legendäres ‘whatever it takes!’ würde ich zwar als Ausdruck der EZB sehen, ganz massiv zu retten, aber mir hat in der Griechenland-Krise die EZB definitiv zu politisch agiert. Das wäre für mich aber weniger Grund, das jetzt wieder/öfter zu machen, sondern im Gegenteil möglichst nicht wieder.
Aber klar, wie du sagst, die Regeln sind politische Konstrukte, aber da kommen wir wieder an den Punkt, dass es folglich die Politik ist, die handeln muss.