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Cake day: June 23rd, 2024

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  • D.h. wir können mit einer expansiven Geldpolitik dem Mangel begegnen.

    Hmm, da bin ich mir nicht so sicher. Fossile Energie wird primär in Dollar gehandelt. Wenn wir also Geld drucken, würde das zur Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar führen, wir zahlen also nicht nur mehr durch den Angebotsschock, sondern noch mehr, weil unsere Währung schwächer wird. Das Ergebnis wäre ‘Importierte Inflation’.

    Dafür müsste man “nur” dafür sorgen, dass das lose Geld einmal in die richtigen Zweige fließt, um die Resilienz des Wirtschaftsraums zu erhöhen, andererseits, dass man damit direkt die Verbraucher stützt, damit die ihr Leben weiterführen können.

    Ja, absolut! Aber das ist eine Aufgabe, die ich definitiv in den Händen demokratisch gewählter Politiker und nicht in den Händen ungewählter technokratischer Notenbanker sehen möchte. Das wären Parallelstrukturen, die die Demokratie untergraben würden. Wir haben ganz bewusst eine unpolitische Notenbank, die ausschließlich ihren scharf definierten Aufgabenzweck erfüllt und kein politisches “Ersatzprogramm” ist.

    Und das wird ja ggf. auch schon gelockert, siehe die Anleihenkaufprogramme während der Subprime-Krise oder während Corona. Da ging es ja auch plötzlich.

    War dort nicht eher drohende Deflation das Thema? Dann ist eine expansive Geldpolitik durch das Mandat gedeckt.

    paar Jahre später Griechenland retten nicht mehr, die konnten wir dann knechten.

    Draghis legendäres ‘whatever it takes!’ würde ich zwar als Ausdruck der EZB sehen, ganz massiv zu retten, aber mir hat in der Griechenland-Krise die EZB definitiv zu politisch agiert. Das wäre für mich aber weniger Grund, das jetzt wieder/öfter zu machen, sondern im Gegenteil möglichst nicht wieder.

    Aber klar, wie du sagst, die Regeln sind politische Konstrukte, aber da kommen wir wieder an den Punkt, dass es folglich die Politik ist, die handeln muss.


  • Um dem Abkacken der Wirtschaft zu begegnen, bräuchte es ja gerade mehr günstiges Geld, damit wir Binnennachfrage ankurbeln und Investitionen in Energieunabhängigkeit tätigen könnten

    Ich bin da grundsätzlich vollkommen bei dir: Angebotsschocks mit dem Nachfrageregler Leitzins zu begegnen, tut weh, weil gefühlt auf etwas eingedroschen wird, das eh schon am Boden liegt.

    Nur wenn man stattdessen, wie du sagst, jetzt mehr günstiges Geld zur Verfügung stellt, steigt zwar einerseits die Nachfrage nach Geld, der Mangel durch den Angebotsschock ist aber trotzdem da. Damit gehen die Preise hoch und man gießt Benzin ins Inflationsfeuer, inkl. der Gefahr, dass diese sich jenseits des Angebotsschocks verselbstständigt.

    Die EZB drosselt also ganz bewusst die Wirtschaft ab, damit letztendlich die Preise stabil bleiben.

    Da müsste man halt sinnvolle Fiskalpolitik betreiben und die EZB_müsste_ die Staaten dazu enablen.

    Das darf die EZB meiner Kenntnis nach gar nicht (Verbot der monetären Staatsfinanzierung), sie arbeitet unabhängig, damit die Politik sie nicht als ‘unendlichen Geldautomaten’ missbrauchen kann. Sie kümmert sich nur darum, durch ihre große Stellschraube das Preisniveau stabil zu halten, den Rest muss die Politik machen.



  • Meine scheiß Kaffemaschine hat drei Knöpfe, aber die europäische Wirtschaft hat genau einen Drehregler.

    Jain… nicht die europäische Wirtschaft hat genau einen Drehregler, sondern die EZB. Und selbst die hat eigentlich noch ein paar mehr, der Leitzins-Regler ist nur mit Abstand der fetteste.

    Die EZB steuert ja nicht “die Wirtschaft”, sondern nur die Geldpolitik, also wie “teuer” Geld ist. Der andere, sehr große Teil der Wirtschaftslenkung kommt durch die Fiskalpolitik. Also Steuern, Subventionen, Investitionen, … Das macht zum Glück nicht irgendein Rat der EZB, sondern die jeweiligen demokratisch legitimierten Parlamente der Mitgliedstaaten. Da hast du dann unzählige Regler, Hebel, Knöpfe, usw.

    Der Leitzinsregler ist ein relativ stumpfes Instrument, aber die EZB kann ihn gut nutzen, um zu verhindern dass unsere wirtschaftliche Kaffeemaschine überhitzt. Dass am Ende auch guter Kaffee rauskommt, regelt man aber mit den anderen Knöpfen.


  • Für Stifte mag das stimmen, aber welcher Investor finanziert denn Wohnungen, die er nicht teuer vermieten kann, bzw. eine Wohnungsvariante, die weniger Profit bringt? Einfach mehr teure Wohnungen bauen geht halt komplett am Bedarf vorbei.

    Die Profite kann der Staat steuern. Er kann bspw Abgaben und Steuern erheben, die gezielt bestimmte Formen von Wohnungen in ihrer Profitabilität beeinflussen. Dafür muss soziales Wohnen nicht teurer, sondern im Vergleich für Investoren nur wirtschaftlich interessanter werden.

    Einem Investor ist am Ende vollkommen egal, mit welchem Produkt er seine Rendite macht. Der Staat muss hier die Leitlinien vorgeben, die solche Akteure in die richtigen Bahnen lenken, gegen Widerstände, gegen Lobbyismus.

    Das ginge schon heute und hätte den charmanten Nebeneffekt, dass der Staat, statt eine Menge Geld in die Hand zu nehmen für eine Vergesellschaftung und dann trotzdem selber auch noch für den sozialen Wohnungsneubau sorgen zu müssen, sogar Geld einnehmen könnte mit diesen Sanktions- und Lenkungsmaßnahmen, während man den notwendigen Neubau den Privaten aufhalst.




  • Ein Staat ist kein Unternehmen, seine Investments müssen sich nicht kurzfristig rentieren.

    Ein Staat nimmt aber wie ein Unternehmen Schulden auf, die er bedienen muss und auf die er Zinsen zahlt. Das Geld dafür landet in diesen Bestandswohnungen, aber nicht in zusätzlichem Neubau.

    Wird Zeit mal wieder einen Ansatz zu versuchen.

    Das stimmt. Ich denke, dass der Staat hier bei weitem noch nicht die Breite seiner verfügbaren Werkzeuge tatsächlich nutzt, um beispielsweise Leerstand, Spekulation, Zweitwohnsitze, Ferienbuden, etc zu steuern. Die Profitabilität dieser Sachen kann der Staat mit gezielten fiskalischen und gesetzlichen Mitteln klar beeinflussen. Berlin ist da schon einen Weg gegangen, mit Milieuschutzgebieten, Vorkaufsrechten, Zweckentfremdungsverboten und Grundsteuer C für unbebaute (Spekulation) Grundstücke gibts jetzt auch. Diese Regeln müssen dann jedoch auch durchgesetzt werden und da krankt es halt oft. Für wohl einen Bruchteil des Betrags für die Enteignung könnte man auch eine Behörde mit Zähnen schaffen, die tatsächlich durchsetzt, was heute schon gilt, zum Beispiel.







  • Danke für das Kompliment am Ende. Da du meine Kernpunkte im Grunde bestätigt oder als “Debattensieg” anerkannt hast, können wir es eigentlich fast dabei belassen. Nur noch kurze fachliche Einordnungen zu deinen letzten Punkten, damit das Bild komplett ist:

    1. Luft-Luft-Raketen sind im Szenario gegen Russland zweitrangig. Das größte Problem der Luftüberlegenheit sind nicht russische Kampfjets (da ist der Westen technologisch überlegen), sondern die russischen Boden-Luft-Raketensysteme. Der beste Eurofighter mit den besten Luft-Luft-Raketen nützt nichts, wenn er von einer S-400 vom Boden aus abgeschossen wird, bevor er überhaupt einen russischen Jet im Radar hat. Genau deshalb ist die SEAD-Fähigkeit zur Ausschaltung der Bodenabwehr die absolute Grundvoraussetzung für alles andere. Die identifizierte Abhängigkeit von den Amerikanern wird nicht dadurch weniger gravierend, dass man darauf hinweist, dass auch andere Länder neben Deutschland diese Raketen gekauft haben. Wenn du ein System nicht selber “auffüllen” kannst, hast du eine Lücke.

    2. Reichweite von Kampfjets: ein voll bewaffneter Jet (mit Nachbrenner) verbraucht extrem viel Treibstoff. Der reale Einsatzradius ist viel kleiner, als ein Blick auf die Landkarte vermuten lässt. Ein Start in Deutschland, Flug ins Baltikum, Einsatz und Rückflug ist ohne Luftbetankung schlicht nicht machbar. Dass Airbus mal mit einem Muster in die amerikanische Ausschreibung gegangen ist, ändert nichts daran, dass uns in Europa schlicht die Masse an Tankflugzeugen fehlt - weil wir die bisherige amerikanische Masse mit berücksichtigen. Lücke.

    3. USA: Dass die Amerikaner uns im Stich lassen könnten, ist nach Trumps Aussage (‘do whatever the hell they want’) leider nicht mehr ‘unvorstellbar’, sondern ein reales politisches Risiko, das Menschen mit Verantwortung und Sachverstand nicht ignorieren können. Genau deshalb ist diese Aufrüstung so wichtig - damit wir im Zweifel wirklich eigenständig abschrecken können.

    Nebenbei: dass du die Frage zu Anfang 2022 lieber nicht beantwortet hast, zeigt genau das damit angesprochene Problem. Selbst wenn Russland, wie damals, in voller Montur an der Grenze stehen wird, wird es dennoch noch Leute geben, die das nicht sehen wollen werden und kräftig die Augen davor verschließen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Danke für das eindrucksvolle Belegen.

    Für mich ist die Diskussion an dieser Stelle vorbei, alles relevante wurde gesagt. Hab ein schönes Wochenende.


  • Wir haben die Waffen im Bestand:

    Ja, bei den Amis gekauft, von den Amis produziert. Glaubst du, 178 Raketen reichen? Du erkennst schon, dass du damit genau die problematische Abhängigkeit von den Amerikanern belegst?

    Weil der Russe heimlich eine Angriffsarmee aufbauen kann?

    Hast du dich Anfang 2022 hingestellt und gesagt, dass der Russe die Ukraine überfallen wird? Denn das haben Leute, die tatsächlich Ahnung von der Materie haben, gemacht, die sich dann anhören durften, dass Putin doch nicht verrückt sei und das sei Taktik, sie seien Kriegstreiber, etc pp.

    Und da wir auf Luftüberlegenheit setzen, werden die Kampfflieger sowieso von überall in Europa starten wie beim Irankrieg.

    Sorry, aber da beißt sich dein Argument in den Schwanz. Luftüberlegenheit ist die Doktrin der Amerikaner, die entsprechend ausgerüstet sind. Das hatten wir schon ganz zu Beginn:

    Lufthoheit (SEAD/DEAD), wo die Amis, im Rahmen ihrer Doktrin, ein umfangreiches Arsenal zur effektiven Unterdrückung/Zerstörung feindlicher Flugabwehrfähigkeiten besitzen.

    Ohne Amis kein SEAD, keine auf Luftüberlegenheit ausgelegte Doktrin, also auch keine Luftüberlegenheit. Genau darum geht es.

    Und wenn du sagst, dass “Kampfflieger sowieso von überall in Europa starten” belegst du direkt die nächste Fähigkeitenlücke: Luftbetankung. Auch dort ist Amerika der unangefochtene Spitzen-Beitragende.

    Wir drehen uns im Kreis. Erst waren die Zahlen ausreichend, dann wurden ausgemusterte Raketen aus den 90ern zitiert, und jetzt werden Waffenkäufe in Amerika als Beweis für europäische Unabhängigkeit herangezogen. Die Realität der europäischen Lücken bleibt bestehen, deine Ursprungsfrage ist beantwortet. Lass gut sein und genieße deinen Samstag.


  • Wenn man Wikipedia-Artikel zitiert, sollte man sie auch zu Ende lesen. Die von dir genannte ALARM wurde 2013 ausgemustert, die Martel bereits in den 90ern. Frankreich entwickelt gerade erst eine neue Variante, weil man erkannt hat, dass hier die eigenen Fähigkeiten seit Ende des Kalten Krieges zu kurz gekommen sind. Europa ist in diesem Bereich nahezu vollständig von den Amis / deren AGM-88 HARM abhängig. SEAD als “Angriffswaffe” abzutun, zeugt von fehlendem militärischen Grundverständnis. Russische S-400-Systeme in Kaliningrad oder Belarus reichen hunderte Kilometer weit. Ohne SEAD können europäische Jets also nicht mal den eigenen Luftraum über Polen oder dem Baltikum verteidigen, ohne abgeschossen zu werden. Logistik: es geht nicht um den Marsch auf Moskau. Wenn Europa angegriffen wird, müssen Truppen, Panzer, Millionen Schuss Munition, etc, aus Spanien, Frankreich, … rasend schenll an die Ostflanke verlegt werden. Das erfordert massive strategische Transportkapazitäten, die momentan, wenig überraschend, durch die Amis gestellt werden.

    Also, kannst du die Fähigkeitenlücken jetzt akzeptieren, oder geht es weiter?


  • Gegenüber den USA.

    Da hast du etwas falsch verstanden: relevant sind diese Fähigkeitenlücken, weil unsere gesamte Verteidigung mit diesen Fähigkeiten im Sinn aufgebaut wurde. Stell es dir wie ein Haus vor, das man zusammen im Verbund gebaut hat. Fallen diese Fähigkeiten weg, fehlen dem Haus entscheidende Punkte in der Statik - denn wenn du dir diese Fähigkeiten anschaust, sind das alles Kernfähigkeiten.

    Tragende Elemente wie C4ISR, unabhängige Logistik und SEAD als “nicht essentiell” abzutun, deutet eher darauf hin, dass du nicht wirklich “in good faith” über tatsächliche Militärstrategie diskutieren willst. Ein Militär ohne Elektronik ist blind, ohne SEAD hat es keine Luftüberlegenheit, ohne Logistik steht es still. Die Verlagerung des Arguments von “Europa muss sich nicht wiederbewaffnen” hin zu “Europa kauft die falsche Ausrüstung” zeigt, dass du europäischer Wiederbewaffnung unabhängig der strategischen Realität entgegenstehen möchtest. Wenn du deine persönliche Meinung gegen jegliche Argumente immunisiert hast, ist das deine Sache, aber worüber willst du hier dann eigentlich diskutieren?

    Abschließend, deine Ursprungsfrage:

    Seit Monaten frage ich bei jeder Gelegenheit nach der Analyse, warum Europa oder die Nato ohne USA einen russischen Angriff nicht bereits jetzt schon abwehren können. Ich habe noch keine Erklärung bekommen.

    Die Erklärung hast du hiermit bekommen, in Form der Fähigkeiten, die ohne die Amerikaner wegfallen.


  • Du argumentierst gegen den Punkt, wir hätten quantitativ nicht genügend Panzer oder Flugzeuge. Das hat hier keiner gesagt. Stattdessen reden wir über Fähigkeitenlücken, die du weiter oben finden kannst. Ein Panzer ohne eigenständige Logistik und Führung, ohne umfangreiche Munitionsvorräte und ohne Luftunterstützung ist lediglich ein Ziel, keine Abschreckung. Papierbestände dürfen nicht mit Kampfbereitschaft verwechselt werden. Wir rüsten auf, um diese kritischen Lücken zu schließen, nicht um Tabellen zu füllen. Russland hat auf Kriegswirtschaft umgestellt und produziert rund um die Uhr Millionen von Geschossen, Drohnen, Raketen,… Europas Rüstungsindustrie und Munitionsvorräte befinden sich auf Friedensniveau. Bei der Aufrüstung geht es darum, diese industrielle Kapazität anzupassen, damit die Abschreckung nicht versagt.