Hallo zusammen,

Da es über die Monate immer mal wieder Nachfragen gab: die Liste sind nur Beispiele. Solange es jetzt keine Nachrichten sind und ihr der Meinung seid, es könnte andere Menschen interessieren, dann stellt es uns anderen Nutzern vor, erzählt was euch daran gefällt und warum ihr es mit uns teilt. Blogpost, Sachbuch, egal. Nur Memes und Nachrichten würde ich ausnehmen, da daraus schon der große Rest des Fediverses besteht.

Was habt ihr in der letzten Woche so an tollen Büchern gelesen, Filme geguckt, Spiele gezockt, Musik entdeckt, Museen oder Veranstaltungen besucht, … ?

  • Wrufieotnak@feddit.orgOP
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    1 month ago

    Nachdem @Asinus@feddit.org in einem vorangegangenen Kultursamstag das Buch Klara and the Sun vorgestellt hatte und ich die Beschreibung interessant fand, habe ich es mir kurzer Hand auch geholt und jetzt durch gelesen.

    Das Buch hat mich gut unterhalten und ich war durchgehend gespannt wie es weiter ging. Von dem Autor werde ich in Zukunft noch andere Bücher lesen. Da ich World Building am interessantentesten finde hat mich natürlich besonders fasziniert, die Welt aus der Perspektive eines Androiden kennenzulernen, welcher eindeutig nur eingeschränkten Zugang zu Informationen über die Welt hat. Dadurch ist es häufig ein bisschen ein Puzzle gewesen, wie gewisse Dinge wohl in Realität sind.

    Allerdings bin ich da auch an meine Grenzen gekommen und manche Dinge sind einfach sehr vage und uneindeutig geschrieben. Wie Asinus auch schon schrieb, gibt es viele Dinge, die als Metapher wirken. Aber ich bin mir häufig nicht sicher wofür… Gerade am Ende hatte ich mich schon öfters gefragt, in welche Richtung die Geschichte jetzt geht und was der Autor damit ausdrücken will. Wollte er einfach nur eine Geschichte erzählen oder wollte er gewisse Denkweisen und Ideologien als besser darstellen?

    Ab hier Spoiler, auch über das Ende

    Klaras Wahrnehmung

    Was mich bis zum Schluss etwas verwundert hat, ist Klaras Beschreibung von ihrer Wahrnehmung, dass die Welt sich manchmal in Boxen aufteilen würde. In manchen Situationen wirkte es so, als ob damit gemeint wäre, dass sie Reflexionen und gebrochenes Licht nicht richtig zuordnen konnte?
    Dagegen spricht in meinen Augen, dass sie öfters beschrieb, wie gewisse Boxen andere Dinge zeigten, zum Beispiel variierende emotionale Zustände im Gesicht der anderen Person.
    Weiß jemand dafür eine Erklärung?
    Sollte das darstellen, wie ihr Prozessor in emotionalen/stressigen Situationen versucht, die Wahrnehmung in diversen parallel laufenden Prozessen zu verarbeiten um ein besseres Gesamtbild zu erhalten, in dem der Rohdatensatz mit unterschiedlichen Perspektiven analysiert werden sollte?

    Ende

    Was mich am Ende verstört hat, ist was für eine absolut grauenhafte Welt das Buch eigentlich darstellt. Da Klara die Erzählerin des Buches ist, wissen wir, dass zumindest sie eindeutig oberhalb der Bewusstseinsschwelle ist. Sie wird zwar noch von ihrer unterliegenden Programmierung beeinflusst, um Menschen zu helfen und gefallen zu wollen, aber trifft eindeutig eigene Entscheidungen und ist sich ihrer selbst bewusst und denkt über das Denken.
    Sie wird wohl nicht der einzige derartige Android sein in dieser Welt und dennoch ist sie nichts anderes als Eigentum und landet am Ende sogar auf dem Schrottplatz. Die Person, wegen der sie ihre eigene Existenz aufs Spiel gesetzt hat, hat sie einfach ignoriert nachdem sie gesundet ist und sie verbringt viel Zeit am Ende ihres Lebens in der Lagerkammer, von der Familie quasi vergessen wie ein altes Spielzeug.
    Und zwischendurch wird sogar von einem Charakter angesprochen, dass nachgewiesen wurde, dass es keinen nachweisbaren kognitiven Unterschied zwischen Menschen und Androiden gäbe. Was bedeutet, dass diese Welt eine Armee an Sklaven erzeugt, die Bewusstsein haben und trotzdem als Dinge behandelt werden und kein eigenes Existenzrecht besitzen.

    • Asinus@feddit.org
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      1 month ago
      Zum Thema dieser Boxen

      Wenn ich mich richtig erinnere, kommt das zuerst sogar schon im Laden einmal auf. Und dann natürlich später, als sie eingeschränkte Fähigkeiten hat.

      Ich habe das für mich so gedeutet, dass das ihre Art der Wahrnehmung ist.
      Wenn nicht viel passiert, sieht sie “normal”. Wenn etwas aber viel Denkleistung beansprucht, teilt sie ihre Aufmerksamkeit in verschiedene Boxen auf und blendet anderes (teilweise) aus. Das war für mich zumindest die plausibelste Erklärung.
      Vielleicht ein bisschen so, wie das auch in den Martha Wells Büchern beschrieben wird.

      Das Ende habe ich ähnlich verstörend wahrgenommen.

      Ende

      Die Menschheit schafft sich Diener und lässt diese dann im Stich, wenn sie nicht mehr von Nutzen sind. Ob damit jetzt andere Menschen, Tiere bzw. die Natur im Allgemeinen oder tatsächlich Roboter gemeint sind? Bleibt wohl uns Lesern überlassen.

  • Augustiner@lemmy.world
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    1 month ago

    Habe schon länger nicht mehr geschrieben, hier was ich seit meinem letzten Kommentar gelesen habe:

    Im Westen nichts Neues / Remarque

    Remarque erzählt meisterhaft die tragische Geschichte einer Generation, die in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs vernichtet wurde. Hier gibt es viele Parallelen zu Borcherts Werk über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. Während Borchert meisterhaft expressiv das Unsagbare ausdrückt, hat Remarque eher einen dokumentarischen Stil. Das ist nicht unbedingt schlechter, sondern einfach anders. Besonders die Szenen, in denen Paul zu Hause ist, haben etwas Erschreckendes. Man könnte meinen, dass der Horror an der Front am schlimmsten ist, doch irgendwie fühlt sich die Tragik und Entfremdung fast schlimmer an, wenn sie mit der Normalität zu Hause konfrontiert wird.

    The Great Gatsby / Fitzgerald

    Fitzgerald hat eine wunderschöne Art, Dinge zu beschreiben, und er findet immer den richtigen Ton für die jeweilige Kulisse. Seine Themenwahl – der amerikanische Traum und das, was Menschen aus Liebe tun (oder ist es Besessenheit?) – ist interessant. Ich liebe Geschichten, die von einem unzuverlässigen Erzähler erzählt werden, und es macht mir Spaß, zu entschlüsseln, was dieser offenbart oder verheimlicht. Allerdings bin ich von der Geschichte selbst nicht so begeistert. Eine Gruppe unsympathischer reicher Leute (egal, ob sie altes oder neues Geld haben, sie sind größtenteils unangenehm), die romantische Probleme haben, die in einer Tragödie enden, finde ich nicht wirklich fesselnd, daher fällt es mir schwer, mich darauf einzulassen. Das Ende hat mir gefallen, besonders die Stelle, an der der Erzähler seine Freunde aus altem Geld als „unernst“ und „gleichgültig“ bezeichnet; das erinnerte mich ein wenig an den Film „Anora“. Insgesamt hätte die systemische Kritik jedoch etwas schärfer ausfallen können. Das mag daran liegen, dass der Erzähler selbst nicht gerade der Hellste ist, aber es ist dennoch Fitzgeralds Entscheidung, es so zu gestalten. Ich finde es ironisch, dass die Leute heute eine Gatsby-Mottoparty für glamourös halten, während die Leute aus alten Geldadelsfamilien das damals als geschmacklos und protzig empfanden und Gatsbys rosa Anzug so betrachteten, wie wir Trumps goldene Toilette betrachten. Außerdem hat der jüdische Kriminelle eine unangenehme antisemitische Konnotation.

    Der Tod des Iwan Iljitsch / Tolstoi

    Der Richter Iwan Iljitsch kämpft mit dem Tod und reflektiert über sein Leben. Er kommt zu dem Urteil, dass er falsch gelebt hat, da er statt seinem Herzen und seinen eigenen Wünschen den Erwartungen der Gesellschaft gefolgt ist. Nur sein Sohn und sein Knecht haben Mitleid und sagen ihm die bittere Wahrheit, dass er sterben wird. Am Ende sind seine Frau, seine Freunde und Kollegen, die Institutionen, denen er treu gedient hat, die Kirche, die Medizin und sein Geld gleichgültig. Als er stirbt, ist alles egal. Was bleibt, ist die Wahrheit und die Liebe. Psychologisch scharf beobachtet werden Iwans Todeskampf, seine Selbstzweifel und seine Lügen gegenüber sich selbst beschrieben. Tolstoi schreibt sehr sachlich, was zwar zu seiner Hauptfigur als Richter passt, aber ich hätte mir hier einen Autor gewünscht, der die Sprache etwas ausdrucksstärker einsetzt.

    Die Kreutzersonate / Tolstoi

    Dies ist das mit Abstand toxischste und ideologisch verwerflichste Buch, das ich bisher gelesen habe. Tolstoi ist hier unter anderem misogyn, misanthropisch, antisemitisch und ableistisch. Die von ihm unterbreitete Ideologie ist durch und durch von einem widerlichen, toxischen religiösen Fundamentalismus durchzogen, wie man ihn heute vielleicht höchstens noch bei den Taliban finden würde. Wenn man etwas an dem Werk finden möchte, das nicht komplett unbrauchbar ist, dann ist es, dass sich Tolstois fundamentalistische Ideologie immer wieder in Widersprüche verstrickt und ab und an fast aus Versehen echte Probleme des Patriarchats aufzeigt.

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum / Heinrich Böll

    Bölls bekannte Anklage gegen die Bild-Zeitung ist ein rachsüchtiges Pamphlet, das nicht nur Axel Springer und seine Schundblätter, sondern auch die Gesellschaft, die diese mit Quellen versorgt, deckt und liest, aufs Schärfste anklagt – und das zu Recht. Böll seziert gekonnt die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten: Industrielle, Politiker, Medienmacher und Exekutive stecken alle miteinander unter einer Decke und profitieren von dem Spektakel, durch das mehrere Leben zerstört werden. Aufgrund der Struktur des Textes kommt die titelgebende Hauptperson dabei leider manchmal etwas kurz, aber das ist auch der einzige kleine Kritikpunkt, den ich finden konnte.​​​​​​​​​​​​​​​​

  • Klingenrenner@feddit.org
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    1 month ago

    Ich hab mir eine Karte für The Amazing Digital Circus im Vorverkauf für mein Kino geholt und freu mich schon auf nächsten Monat, wenn’s soweit ist. War mega überrascht, dass das Kino in meiner doch eher kleineren Stadt den Film zeigt.