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Cake day: February 7th, 2025

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  • Machtmisbrauch ist in akademischen Kreisen wohl öfter ein Problem. Für Doktoranden hat der Doktorvater oft eine deutlich dominante Position. Ohne seine Unterstützung wird es schwer, irgendwohin zu kommen. Den Betreuer zu wechseln ist potenziell ungünstig für die akademische Laufbahn, wenn überhaupt möglich. Und gegen den Betreuer aussagen wird auch schwierig, wenn er ein respektiertes Mitglied der akademischen Elite ist. Und wenn die Doktorväter tendenziell Männer fortgeschrittenen Alters sind, sind Sexismus und Übergriffe praktisch vorprogrammiert.

    Wenn potenziell brillante Köpfe vergrault werden, merken wir gar nicht was wir verlieren, was sie vielleicht für Fortschritte gebracht hätten. Das ist also nicht nur ein Problem von Würde und Respekt, sondern auch einer von vielen Steinen im Getriebe der Wissenschaft und Bildung.

    Ich bin froh, dass diese Frauen sich Gehör verschaffen konnten und hoffe, dass sich auch wirklich was tut. Davon profitieren wir alle.




  • Das die Nuggies nicht 100% dem geschredderten und wieder zusammengefügten Orginal im Geschmacksprofil gleichen sehe ich da eher als Vorteil an.

    Den Punkt verfechte ich auch gerne: Es muss nicht gleich schmecken, solange es gut schmeckt (oder zumindest so gut wie es für Preis und Produktgruppe zu erwarten ist).

    Als ich das erste Mal Burger King Veggie Nuggets probiert hab war ich mit Studienkollegen unterwegs. Da waren einige davon Vegetarys oder einfach Menschen, denen Kadaverschrot zuwider war und die set Ewigkeiten keine Fleisch-Nuggets mehr gegessen hatten, dann aber schwärmten, die Veggie Nuggets schmeckten doch original wie echte, ob man ihnen das falsche gegeben habe.

    Ich war damals recht skrupelloser Aasfresser, hab das probiert und auseinanderhalten können. Da war ein Beigeschmack, und die Faser-Struktur hat halt nicht ganz dem feinen Leichenhack entsprochen. Hab aber seitdem nie wieder die Fleischvariante gegessen. Die Veggie Nuggets sind anders, aber nicht schlechter. Klar, Michelin Qualität erwarte ich bei Würger King nicht, aber zwischen den Cheese und den Veggie Nuggets vermiss ich Shredderhühner echt nicht.

    Ich wünschte, mehr Leute würden sich drauf einlassen, was anderes gutes zu finden was nicht eins zu eins das bisherige ersetzt. Dann könnten auch die Hersteller vom Versuch abrücken, auf Gedeih und Verderb ein Imitat zu schaffen was dann doch irgendwie enttäuscht.



  • Das ganze Thema is ein beschissenes Minenfeld.

    Moralisch wäre es verwerflich, diese Selbstbestimmung nur auszunutzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen, ohne es tatsächlich ernst zu meinen. Das wäre dann ein Missbrauch, der zulasten derer geht, die dann womöglich weniger ernst genommen werden.

    Legislativ oder juristisch festzunageln, dass irgend eine bestimmte Absicht oder Vorbedingung gegeben sein muss, führt aber zum einen das Ziel des SBG ad absurdum, die Hürden zu senken, und öffnet zum zweiten die Tür für Willkür.

    Die Problematik liegt also eher dabei, dass man sich dadurch einen Vorteil verschaffen kann, was wiederum nur dann vermieden werden kann, wenn Identität keine Vor- oder Nachteile mehr bringt.

    Kurzum, wie du sagst:

    Es ist nämlich richtig kacke […] dass man von Beförderungen ausgeschlossen wird völlig egal, wie gut die eigene Arbeit ist, nur aufgrund des Geschlechtes.

    Beförderung, wie jede andere Anstellung, sollte nach Eignung geschehen, nicht nach Name, Geschlecht, Religion, Augenfarbe, Lieblingshunderasse oder sonstigen Kriterien, die nichts mit der Arbeit zu tun haben.

    (Außer deine Lieblingsrasse sind Möpse; dann zweifel ich dein Urteilsvermögen grundsätzlich an)


  • Das Video kann ich jetzt gerade nicht anschauen, aber ich nehms mir auf die Liste.

    Das Problem mit der Arbeitszeit ist einerseits, dass die Bauern ja nicht nur das Maß arbeiten mussten, das sie grundlegend ernährt hätte, sondern dass die Eliten (Großgrundbesitzer, Aristokratie) ihnen möglichst viel Leistung abwzingen wollten um sich am Überschuss zu bereichern. Das “natürliche” Volumen wird sich an dem orientiert haben, was es zur Ernährung brauchte, aber Evolution geschieht nicht in einer Spanne von ein paar Jahrtausenden.

    Dass Menschen auch mehr leisten können, wenn sie müssen, sollte eigentlich einleuchten. Unsere 40h-Woche ist bereits eine Verbesserung gegenüber den übelsten Arbeitsbedingungen der Industrialisierung, und wie du sagst ist selbst das ja eigentlich mehr, als wir sollten. Und Zwangsarbeit ist ja leider auch heute noch nicht aus der Welt. Entsprechend ist “natürlich” kein gutes Maß für eine Hierarchie, die versucht “so viel wie möglich” abzuverlangen. Zu welchem Grad das von Ort zu Ort und Zeit zu Zeit geklappt hat ist natürlich variabel, aber dennoch genug, dass sich die Könige und Fürsten bereichern konnten und andere Berufsstände unterhalten werden konnten, obwohl die Agrarwirtschaft vergleichsweise sehr viel weniger effizient war als unsere heutige.

    Zum anderen ist auch zu bedenken, dass bezahlter Urlaub und die 5-Tage-Arbeitswoche ein modernes Konstrukt sind. Von Festtagen abgesehen wurde sechs Tage die Woche gearbeitet, und um Kochen und Putzen wird man wahrscheinlich auch am Sonntag nicht drumrumkommen. Selbst wenn wir ein geringeres tägliches Volumen ansetzen wollten, dürfte die jährliche Arbeitslast nicht zwangsläufig geringer gewesen sein.

    Alles in allem leuchten mir die Rechnungen von Dr. Devereaux ein, mit denen er zu dem Ergebnis kommt, dass die gesamte Last an Arbeit damals nicht geringer war als unsere heutige. Persönlich ergänzen will ich hier die Bemerkung, dass unsere heutige Arbeit uns gleichzeitig viel mehr Luxus verschafft. Du hast absolut Recht, dass wir weniger arbeiten sollten, und jede Studie zur 4-Tage-Woche gibt dir genauso Recht. Ich behaupte bloß, dass das kein “zurück” sondern ein “vorwärts” sein sollte.


    Zu Kriegen: In der Tat waren moderne Kriege sehr viel verheerender. Zum Beispiel war auch die Entwicklung von Artillerie einer der Faktoren der Industrialisierung. Massenmobilisierung ermöglicht das massenhafte Verschleudern von Menschenleben. Atomwaffen sind eh klar.

    Das heißt aber nicht, dass das europäische Mittlelater frei von Kriegen war. Vielmehr war es ein Kochtopf vieler kleiner Konflikte nachdem die zentralen Machtstrukturen des römischen Reichs wegfielen, durch andere ersetzt wurden, die dann wieder kollabierten…

    Ein Anhaltspunkt wäre zum Beispiel, dass die Römische Kirche unter Androhung spiritueller Strafen die Kriegszeiten einzuschränken suchte (Pax et treuga Dei). Dass man Bauern im Feld erst expliziten Schutz zusprechen muss impliziert, dass Gewalt gegen sie vorher zumindest der Erwähnung wert war.

    Klar macht das auch wirtschaftlichen Sinn, die Nahrungsversorgung zu sichern, aber offenbar hat der Sinn alleine noch nicht gereicht, um sie zu verschonen. Geplündert wurde natürlich trotzdem, irgendwas muss die Armee ja essen.

    Auch hier: Krieg ist beschissen und wird beschissener. Aber das Mittelalter ist nicht die Antwort auf das Problem. Wir haben vergleichsweise weniger Kriege in Europa heute als damals. Ob das wieder mehr wird mag ich nicht spekulieren, aber das Ziel sollte auf jeden Fall “gar keine” sein, nicht “viele kleine”.


    Über die Sklaverei und die Ausrottung ganzer Völker u.a. durch die amerikanische Besiedelung möchte ich hier gar nicht reden.

    Ich schon: Sklaverei ist keine US-Erfindung. Die Unterscheidung zwischen Leibeigenen, Bauern ohne Grundbesitz und Bauern, die nicht genug Grund besitzen, um sich alleine zu ernähren ist schwierig genug, um genaue Zahlen zu fixieren, und da die historischen Quellen tendenziell hauptsächlich über “wichtige” Leute schreiben, werden Sklaven selten erwähnt. Pogrome gegen Juden, Moslems, sonstige massenhafte Vernichtungen und Verdrängungen sind ebenfalls im Mittelalter vorhanden.

    Dass es weiterhin existiert ist eine Schande, aber auch hier ist eine Regression ins Mittelalter wahrscheinlich keine Verbesserung.

    dass social media uns das Denken abgelöst hat

    Im Gegensatz zu den freigeistlichen Bauern, die bekanntlich viel Zeit und Bildung zum Philosophieren hatten?

    dass überall soziale Konflikte instigiert werden

    Im Gegensatz zu kirchlichen Edikten, verschiedene ketzerische Völker zu bekämpfen und versklaven?


    Was auf jeden Fall unzweifelhaft sein sollte sind moderne medizinische Fortschritte. Bei uns sterben nicht mehr die Hälfte der Kinder in den ersten zehn Lebensjahren. Dass wir überhaupt ein Konzept von “Krankmeldung” haben ist schon eine Verbesserung. Die Diskussion um Lohnfortzahlung am ersten Arbeitstag wäre lächerlich für Leute, die gar keinen Lohn bekamen. Die Kosten des Gesundheitswesens sind natürlich kein Problem, wenn es kein Gesundheitswesen gibt.

    Wir haben auch mehr Möglichkeit, die Welt zu erkunden: ob per Zug oder Auto durch Europa, per Flugzeug in ganz andere Ecken der Erde oder einfach per Internet Bilder und Kultureinblicke, die ein Bauer nie hätte.

    Wir haben unglaublich viel Bildung und Forschung. Dass wir dieses Thema überhaupt diskutieren und in einen historischen Kontext setzen können, unterstützt durch die Ergebnisse von Forschern auf Kontinenten, die dem damaligen Bauern nicht mal bekannt waren, ist ein massiver Vorsprung gegenüber einer Gesellschaft, deren historisches Wissen sich auf die Erinnerungen der Großeltern beschränkt und deren Horizont ein paar Dörfer weiter aufhört.

    Die Neuzeit ist bei weitem nicht perfekt. Wie du richtig bemerkst, Krieg ist zerstörerischer geworden, gleichzeitig auch überflüssiger da Infrastruktur und Handel viel mehr Wohlstand bringen könnten als Eroberung. Viele alte Probleme haben nur neue Gestalt angenommen. Wir haben auch neue Probleme zu bekämpfen, wie z.B. soziale Kultur, Isolation, Klima, Korruption, die damals nicht existierten.

    Die Vergangenheit sieht viel rosiger aus, wenn sie nur aus Perspektive der Eliten beschrieben wird, und wir dabei das Schicksal der restlichen Bevölkerung übersehen. Aber eine Rückkehr ins Mittelalter würde viel mehr nehmen als zurückgeben. Wir haben heute mehr Chancen als je zuvor um Dinge zu verbessern.

    Lass uns doch lieber nach vorne schauen und das Mittlelater als Vergleich heranziehen, wohin wir gehen, was wir verbessern wollen, welche Umstände zu den damaligen Ungerechtigkeiten führten und wie wir sie künftig vermeiden können.


  • Meine Frau hat in ihrer Familie eine “ruf einfach an” Mentalität gelernt, inklusive Frust wenn man den anderen nicht erreicht. Texten ist die zweite Wahl, manchmal auch die dritte oder vierte. Sie wird diese Gewohnheit auch nicht los, egal wie oft ich sie bitte einfach kurz zu schreiben, damit ich sie dann entweder zurückrufen oder eben per Text antworten kann, wenn telefonieren nicht geht.

    Gleichzeitig irritiert es sie, wenn ihre Familie anruft und es ihr gerade nicht passt, aber statt das dann wegzudrücken lässt sie es klingeln. Meine Vermutung ist, dass “hatte mein Handy nicht in Reichweite” irgendwie eine akzeptablere Begründung ist, nicht ranzugehen, als “ich hatte mein Handy in Reichweite, aber wollte gerade nicht”. Grund für die Annahme ist, dass sie oft sofort nochmal anruft wenn ich sie wegdrücke, ohne auch nur die Nachricht zu lesen, warum ich grad nicht kann.

    Wenn es ein Notfall ist, klar, ruf an. Dummerweise kann ich halt Notfälle nicht von normalen Infos unterscheiden, die sonst auch noch beim Abendessen gereicht hätten.



  • Gut, ich weiß natürlich nicht von welchen Darstellungen du redest. Sicherlich hatten sie weniger Sorgen um Spritpreise, Atomkraftwerke oder RAM-Knappheit.

    Mich würden deine Argumente aber tatsächlich interessieren, wenn du dir die Zeit nehmen willst, sie niederzuschreiben. Ich finde das eine wichtige Diskussion, um die Gegenwart in Kontext zu setzen und weder all die Fortschritte auszublenden, deren Vorzüge wir genießen, noch die Probleme kleinzureden, die uns weiterhin plagen.

    Daher in dieser Sache meine Argumente:

    Die meisten von uns (in Industrieländern wie Deutschland zumindest) müssen Wasser nicht mehr literweise aus den nächsten Brunnen heimtragen sondern bekommen es fließend, sauber und trinkbar (wenn auch nicht immer genießbar) nach Hause geliefert. Das alleine hat schon immense Vorteile, auch was Hygiene und Gesundheit angeht.
    Medizinische Erkenntnisse haben das Vorbeugen und Behandeln einfacher Krankheiten massiv verbessert und die rechtzeitige Erkennung komplizierter überhaupt erst ermöglicht.
    Wir haben auch Strom und Licht, wodurch wir viel mehr vom Tag ausnutzen können, von den vielen Geräten ganz zu schweigen, die uns das Leben einfacher machen.
    Die industriellen Werkzeuge zur Nahrungs- und Textilherstellung machen nicht nur den Bauern das Leben leichter sondern ermöglichen eine Menge anderer Jobs mit dem Überschuss, den ein mittelalterlicher Bauer so nie hätte erwirtschaften können, und ersparen uns das Spinnen und Weben, wodurch Arbeitskraft für andere Annehmlichkeiten frei wurde.

    Als Untermauerung dieser Argumente kann ich dir eine Blogserie eines Historikers empfehlen, der das sehr ordentlich und fachlich auseinanderpflückt und erklärt:

    • “Life, Work, Death and the Peasant” befasst sich zum einen mit den titulären Mustern, zum anderen auch mit der Methode, wie dieses Wissen hergeleitet wird, gerade da die Bauern selbst selten über ihr Schicksal schreiben (weil sie nicht die Zeit und Muße haben, so viel händisch zu schreiben, wie es die Aristokraten eben tun)
    • Besonders interessant für die Frage, wie viel Bauern arbeiten mussten, sind meiner Meinung nach Teil IVb (“Working Days”) und IVd (“Spinning Plates”), worin auch der deutliche Kontrast zu modernen Arbeitszeiten aufgezeigt wird
    • Die obige Serie verweist auch auf weitere Serien zu Ackerbau und Sozialstruktur vormoderner Bauern (“Bread, How Did They Make It?”) und Textilherstellung (“Clothing, How Did They Make It?”), die den Aufwand der beiden Grundbedürfnisse (Nahrung und Kleidung) vormoderner Gesellschaften näher beleuchten
    • Ergänzend empfehle ich einen Post zur Industrialisierung (“Why No Roman Industrial Revolution?”), der unter anderem anspricht, wie Dampfmaschinen die Textilherstellung beschleunigt haben, was einen begünstigenden wirtschaftlichen Faktor für deren Verbreitung darstellte.

    Uns geht es auch in Industrieländern bei weitem nicht perfekt:
    Ausbeutung ist immer noch ein Problem, Globalisierung hat es zu einem globalen Problem gemacht.
    Industrielle Kriegsführung verschlingt und zerstört deutlich mehr Leben für deutlich weniger Gewinn.
    Klimawandel hat bereits jetzt die üblichen Klimaschwankungen massiv verschlimmert und wird es noch weiter tun.
    Gerade mit den modernen Medien ist es leichter, andere Perspektiven kennenzulernen, all die Mängel unseres Systemes zu sehen und all die möglichen Verbesserungen zu diskutieren, die einem Bauer nie eingefallen wären.

    Das soll kein Argument gegen den Kampf um Fortschritt, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit sein. Nur, dass es uns hier besser geht rechtfertigt nicht, dass es dafür anderen schlecht gehen muss. Aber Rückschritt ist nicht die Lösung dieser Probleme. Vielmehr sollten wir daran arbeiten, diese Fortschritte auch anderen zur Verfügung zu stellen. Die Globalisierung wird eher schlecht umzukehren sein, und ich finde auch den Austausch mit anderen Kulturen wichtig. Lass uns also eher daran arbeiten, sie zum Vorteil aller zu nutzen.





  • Vorab: Wenn dich Internet-Diskussionen zum Explodieren bringen, solltest du überdenken, wie wichtig sie dir sind. Lemmy sollte keine Quelle für Leid sein. Wenn dein Umgang damit dich unglücklich macht, weil Menschen einander missverstehen oder sich manchmal auch einfach nicht auf die gleiche Meinung einigen können, dann rate ich zur Reflexion, ob dieser Umgang wirklich das richtige für dich und deine Gesundheit sind, und ob du ihn vielleicht ändern kannst.

    Ich hab auch lernen müssen (und übe immernoch), manchmal eine Diskussion liegen zu lassen wenn ich mich damit überfordert sehe. Das hier ist kein Parlament oder Gericht, wo Entscheidungen ausdiskutiert werden müssen, weil sie weitreichende Konsequenzen haben.


    Der Post besagte:

    Die Staatsanwaltschaft forderte eine lebenslange Haftstrafe. C. wurde aber als vermindert schuldfähig erklärt, da er bei der Tat fast drei Promille Alkohol im Blut hatte.

    Da die tatsächliche Strafe nur 15 Jahre betrug, impliziert diese Formulierung, dass das Gericht der Überzeugung war, diese verminderte Schuldfähigkeit rechtfertige eine geringere Strafe. In diesem Kontext steht der ursprüngliche Kommentar dieses Threads:

    Alkohol im Blut sollte das Strafmaß erhöhen und nicht mindern

    Wenn wir die Spekulation über die Logik hinter dieser Aussage beiseite lassen, bleibt dennoch diese Aussage von dir:

    Du übersiehst da etwas. Richter*innen haben da Ermessensspielraum. Trunkenheit führt nicht automatisch zur Reduktion des Strafmaßes […]

    Ob automatisch oder nicht ist sekundär, denn es geht gar nicht um den Mechanismus, nach welchem es zur Strafminderung führt, sondern um die Tatsache an sich, dass es zur Minderung führt.

    Diesen Kontext sollte mein Kommentar wieder ins Gedächtnis rufen: es mag nicht immer geschehen, aber der Fall hier zeigt auf, dass es geschieht.

    Und dieses Geschehen kritisieren die beiden ersten Kommentare mit ihrer Forderung, dass Trunkenheit das Strafmaß gar nicht reduzieren solle – nicht automatisch, nicht fallweise – sondern erhöhen solle.

    Ja, und? Ich sagte ja auch nicht, dass Trunkenheit gar nicht zur Reduktionndes Strafmaßes führt, oder in diesem Fall nicht entsprechend geurteilt wurde.

    Mein Kommentar hat dir das auch nicht unterstellt. Wie gesagt, dass in diesem Fall das Strafmaß reduziert wurde ist uns allen klar, und die Formulierung im Post legt nahe, dass Trunkenheit dazu beigetragen hat.

    Und nein, das Gericht sagt nicht, dass durch die Anerkennung verminderter Schuldfähigkeit nicht die Tat geringer wäre, sondern nur, dass das Unrechtsbewusstsein und das Urteilsvermögen des Täters während der Begehung der Tat weniger ausgeprägt war als es für eine volle Schuldfähigkeit nötig wäre.

    Den Edit hab ich zu spät gesehen, mich daher auch nicht darauf bezogen.

    Juristisch ist das sicherlich korrekt: Weniger Urteilsvermögen -> weniger Schuldfähigkeit -> geringere Strafe

    Die Kritik wäre dann, dass das eingeschränkte Urteilsvermögen selbst zugefügt wurde (in Form von Trunkenheit) und daher die Schuld nicht mildern sollte.

    Nochmal: Die Fakten sind uns glaube ich allen bewusst. Der Gegenstand der ursprünglichen Kommentare war also der Wunsch, sie wären anders.